ⓒ Matthias Kraft

Tag des Gedenkens an die Opfer das Nationalsozialismus

Hinweis: In der Kategorie Kolumne bieten wir eine Plattform für einzelne Mitglieder:innen, ihre ganz persönliche Meinung - durchaus auch einmal sehr pointiert - zu äußern und zu veröffentlichen. Dabei handelt es sich aber weder um die offizielle Meinung der Fraktion noch des Ortsverbands.

Zum zehnten Mal wurde heuer am Mühldorfer KZ-Friedhof der Menschen gedacht, die in der Schoa litten und starben. Ihretwegen beginnt das Grundgesetz mit dem Grundsatz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Coronabedingt war es für die Öffentlichkeit diesmal nicht möglich, an der offiziellen Feier des Landrats teilzunehmen. Ortsvorstand und Kreisvorstand der Mühldorfer Grünen schlossen sich der offiziellen Feier daher zeitlich versetzt an und boten am Abend mit einer kurzfristigen Einladung zu einer Gedenkstunde am Online-Stammtisch ein zusätzliches Forum zum Austausch an.

Unser Gebinde aus weißen Rosen

Die Fackeln der offiziellen Feier brannten noch, als die Delegation der Grünen zum Friedhof kam. Aus unseren Reihen wurde ein Gebinde mit weißen Rosen gestiftet, das Ortssprecher Bernhard Wagner am Friedhof neben dem Gedenkkranz des Landkreises ablegte. Die weiße Kerze, die er daneben stellte, brannte weiter, als die Fackeln erloschen.

Bernhard Wagner wurde begleitet von Dr. Matthias Kraft, dem Fraktionssprecher der Grünen im Mühldorfer Stadtrat und Stadtrat und Kreisrat Dr. Georg Gafus. Unerwartet erweitert wurde der Kreis durch Etti Pasternak, eine Mühldorfer Weltbürgerin. Die jüdische Mutter aus Georgien kommt seit Jahren zur Feier des Landkreises. 

Bernhard Wagner und Dr. Georg Gafus

Vor einigen Jahren hatte Pfarrerin Susanne Vogt mit einer Gruppe Konfirmand:innen einen Mandelbaum gepflanzt, inspiriert von einem Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch. Die vierte Strophe heißt: „Freunde, dass der Mandelzweig, sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.“ Etti Pasternak und der Mandelbaum haben heuer gezeigt, dass der Dichter Schalom Ben Chorin mit seinem Text Recht behalten hat. Gafus sang dieses Lied zur Einleitung.

Etti Pasternak, Bernhard Wagner und Dr. Georg Gafus

Pasternak sprach das Gebet „El Male Rachamim“ (Gott voller Erbarmen) zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Zeit. Die kleine Feier schloss mit dem Lied „Awinu Malkenu“ (Unser Vater, unser König) aus der Liturgie des jüdischen Versöhnungstags Yom Kippur, gesungen von Kantor:innen der Park Avenue Synagogue. Bernhard Wagner hatte zuvor die Übersetzung vorgetragen. Matthias Kraft übernahm die mediale Dokumentation.

Freunde, dass der Mandelzweig

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht in Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?
Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg.

Text: Ben Chorin, 1942 | Melodie: Fritz Baltruweit 1981

El male rachamim (אֵל מָלֵא רַחֲמִים)

Gott voller Erbarmen, der in den Himmelshöhen thront, gewähre den Seelen der 6 Millionen Juden, den Opfern der Holocaust in Europa, die durch das mörderische Naziregime und deren Gehilfen abgeschlachtet, verbrannt und umgebracht worden sind und ihr Leben für die Heiligung Deines Namens geopfert haben — die verdiente Ruhe in Gottesnähe und im Kreise der Gerechten und Heiligen. Die gesamte Gemeinde betet fürihre Seelen. Möge Gott, der Barmherzige, sie für alle Zeiten unter seinenSchutz stellen und sie in das Band des ewigen kebens einschließen. BeiGott mögen sie Geborgenheit finden und im Garten Eden ihre Ruhe, und werden in Frieden ruhen bis zu ihrer Auferstehung am Ende der Tage.en.

Jüdisches Gebet

Unser Vater, unser König…

Unser Vater, unser König, wir haben uns vor dir verfehlt,
Unser Vater, unser König, niemand und nichts hat Macht über un,außer dir.
Unser Vater, unser König, handle an uns um deines Namens willen,
Unser Vater, unser König, lass das neue Jahr für uns ein gures Jahrwerden.
Unser Vater, unser König, wende Krankheit, Gewalt, Hunger,
Gefan.genschaft, zerstörerische Mächte und Verletzungen von uns ab,
Unser Vater, unser König, lass die Gesetze verschwinden, die anderebenachteiligen.
Unser Vater, unser König, gib den Kranken deines Volks Genesung.
Unser Vater, unser König, verzeih uns und vergib alle unsereVerkehrungen.
Unser Vater, unser König, schreibe uns ein im Buch des guten Auskom-mens und des guten Lebensunterhaltes.
Unser Vater, unser König, denke daran, dass wir Staub sind.
Unser Vater, unser König, denke an uns, damit wir ein gutes Leben haben.
Unser Vater, unser König, schreibe uns ein im Buch der Erlösung und
Hilfe.
Unser Vater, unser König, gib deinem Volke Israel Kraft.
Unser Vater, unser König, gib uns die Kraft für eine vollständige Umkehr zu dir.
Unser Vater, unser König, höre unsere Stimme, ergreife Partei für unsund erbarme dich über uns.
Unser Vater, unser König, erbarme dich über uns, über unsere Kinderund Kleinkinder.
Unser Vater, unser König, lass diesen Augenblick eine Zeit des Erbar-mens und eine Zeit deines Wohlgefallens sein. 3
Unser Vater, unser König, sei uns gnädig um derer willen, die um deinesNamens willen getötet wurden.
Unser Vater, unser König, lass uns nicht leer von dir fortgehen.
Unser Vater, unser König, sei uns gnädig und erhöre uns, dennben keine Taten vorzuweisen. f % HrErweise uns Wohltätigkeit und Liebe und hilf uns.

Jüdisches Gebet

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